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Schwarz-Weiß-Luftaufnahme einer mehrstöckigen Straßenkreuzung mit mehreren Fahrbahnen, Autos und geschwungenen Auffahrten über einem bewaldeten Gelände und einem Gewässer.
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Investieren   |   24.09.2026

Die fünf häufigsten Fehler bei der Kapitalanlage

Börsenweisheiten gibt es reichlich. Warum Privatanleger dennoch immer wieder Fehler bei ihren Anlageentscheidungen machen, und wie man diese vermeiden kann.

© Shutterstock

Benjamin Graham hat sich sowohl mit seinen Erfolgen als Kapitalanleger als auch als Buchautor zu einem der legendären Investoren des 20. Jahrhunderts gemacht. Sein von eigener Erfahrung geprägtes Credo formulierte er bereits 1949 in der Erstveröffentlichung seines Buchs ‚The Intelligent Investor‘: „Das größte Problem eines Anlegers – und vermutlich sogar sein größter Feind – ist meist er selbst.“ 1

André Kostolany, ein ähnlich bekannt und legendär gewordener Börsenkenner und Großspekulant, riet Anlegern, „kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schlafen Sie – wenn Sie aufwachen, werden Sie meist eine angenehme Überraschung erleben.“ 2

Beide Bonmots gehören zu den bekanntesten Börsenweisheiten überhaupt. Aus beiden spricht eine tiefe Überzeugung vom Nutzen der Kapitalanlage, und zugleich eint beide der Zweifel über die Rationalität vieler Anlageentscheidungen von Privatanlegern.

Die Verhaltensökonomie hat erforscht, warum Anleger immer wieder systematische Fehler machen und zur Selbstüberschätzung neigen, nicht rational entscheiden und so die Performance des eigenen Portfolios unnötig verschlechtern. Im Folgenden stellen wir die fünf häufigsten Fehler vor.

1. Der Home Bias

Viele Privatanleger neigen dazu, überproportional an ihren Heimatmärkten zu investieren. Die Folge: Das Vermögen ist wenig über unterschiedliche Regionen diversifiziert und deutlich stärker lokal oder regional bedingten Kursschwankungen einzelner Titel ausgesetzt. Damit gehen diese Anleger höhere Risiken ein als ein Investor, der eine globale, breite Streuung seines Anlagevermögens vornimmt. Auch Renditechancen werden geschmälert. Denn gegebenenfalls verpassen Anleger Renditemöglichkeiten in wachstumsstarken Regionen, wie zum Beispiel in Schwellenländern oder den USA.

Ein prominentes Beispiel für dieses Verhalten sind deutsche Anleger. Bundesbürger hielten Ende 2025 laut Bundesbank-Statistik 3 börsennotierte Aktien im Marktwert von insgesamt rund 685 Mrd. Euro, davon 51 % von inländischen und 49 % von ausländischen Unternehmen. Immerhin: Zehn Jahre zuvor lag der Inlandsanteil noch bei 72 %. Der Grad der regionalen Diversifizierung deutscher Portfolios nimmt also zu, das Ausmaß der Übergewichtung heimischer Wertpapiere geht aber weiterhin über ein sachlich begründbares Maß hinaus. Nach Marktkapitalisierung hat Deutschland einen Anteil von nur rund 2 % an den Aktienmärkten weltweit.

2. Der Dispositionseffekt

Auffällig ist, dass viele Anleger Aktien, mit denen sie Verluste machen, sehr spät verkaufen. Bei Gewinnen hingegen besteht die Tendenz, diese nach dem Motto „sicher ist sicher“ schnell zu realisieren – in der Rückschau oftmals zu früh. Der Grund ist der sogenannte Dispositionseffekt. Er besagt, dass Anleger den Ärger über realisierte Verluste als größer empfinden als die Freude über realisierte Gewinne. Als Folge werden Wertpapiere, die Gewinn erzielt haben, zu früh verkauft und Verlustbringer zu lang im Portfolio behalten.

Woher rührt dieser Effekt? Eine Antwort hat Daniel Kahnemann, Wirtschaftsnobelpreis 2002, gemeinsam mit seinem früh verstorbenen Kollegen Amos Tversky als „Prospect Theory“ formuliert und empirisch untersucht. Ergebnis: Menschen empfinden den Schmerz eines Verlustes etwa doppelt so stark wie die Freude über einen gleich hohen Gewinn. Auf Kapitalanleger übertragen bedeutet das: Anstatt sie zu verkaufen, wird eine schlecht laufende Aktie unnötig lang und oft in der Illusion einer baldigen Kurserholung im Depot belassen, um so die schmerzhafte Realisierung von Verlusten zu vermeiden.

3. Der Herdentrieb

Anleger, die dem Herdentrieb folgen, folgen in ihren Investmententscheidungen den Empfehlungen oder den Aktivitäten anderer Marktteilnehmer. Ein Grund dafür ist die Angst, einen Trend zu verpassen, auf den viele andere schon aufgesprungen sind („fear of missing out“). Dieses emotional geprägte Verhalten kann in mitunter stark übertriebene Kursanstiege, Spekulationsblasen und am Ende auch Panikverkäufen münden.

Ein klassisches Beispiel hierfür ist der Dotcom-Boom der Technologiewerte zum Jahrtausendwechsel. Viele Anleger investierten, weil andere von Anlageerfolgen schwärmten und Medien voller Erfolgsmeldungen waren. So wurden die Kurse weiter nach oben getrieben, bis die entstandene Blase platzte und viele Anleger hohe Verluste erlitten.

Immerhin hat die Erkenntnis, dass es an den Kapitalmärkten zu Herdenverhalten kommen kann, einen populären Kontraindikator hervorgebracht: die sogenannte ‚Taxifahrer-Regel‘. Sie besagt: Fangen fachfremde Personengruppen an, ungefragt konkrete Aktientipps zu geben, ist dies ein Warnsignal für eine Marktüberhitzung, Blasenbildung oder auch bevorstehende Korrektur. Und für Anleger ist es an der Zeit, die Herde zu verlassen.

4. Zu viel Handelsaktivität

Ein häufig anzutreffender systematischer Anlagefehler ist Selbstüberschätzung, also die Neigung, die eigenen Kompetenzen als Kapitalanleger zu überschätzen. Doch der Versuch, das eigene Wertpapierportfolio durch häufige Käufe und Verkäufe laufend zu optimieren, verschlechtert die Performance, sowohl durch Fehleinkäufe als auch durch hohe Transaktionskosten.

Eine wegweisende Studie zu diesem Thema stammt von den Ökonomen Brad Barber und Terrance Odean aus dem Jahr 2000. Sie werteten die Depots von 65.000 US-Haushalten zwischen 1991 und 1996 aus. Das Ergebnis: Die aktivsten 20 % der Depotinhaber erzielten eine jährliche Rendite von nur 11,4 %. Dagegen erreichten die zurückhaltendsten 20 % eine Rendite von 18,5 % pro Jahr. Folglich trug die Studie den passenden Titel „Trading is Hazardous to Your Wealth“.

Anleger sollten nicht auf notwendige Adjustierungen im Portfolio verzichten. Sie sollten allerdings stets hinterfragen, ob der Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers tatsächlich geboten ist, und wie die damit verbundenen Handelskosten reduziert werden können.

5. Fehlende Diversifikation

Vielen Anlegern ist bewusst, wie bedeutend eine breite Streuung des Vermögens bei der Kapitalanlage ist. Vor diesem Hintergrund investieren sie in Anlageinstrumente, welche die Kapitalmärkte möglichst weltweit abdecken sollen, so zum Beispiel den MSCI World Index. Schon der Name suggeriert ein breit diversifiziertes, globales Engagement. Tatsächlich gilt die Aussage nur erheblich eingeschränkt, denn dem Index mangelt es in gleich mehrfacher Hinsicht an Diversifikation .4 So umfasst der MSCI World fast 1.300 Aktientitel, beschränkt sich aber auf 23 Industrieländer. Schwellenländer fehlen komplett. Der Blick auf die Länderallokation zeigt zudem ein sehr deutliches regionales Schwergewicht auf Titel aus den USA, die gut 72 % der Marktkapitalisierung ausmachen. Die Top-10-Positionen setzen sich ausschließlich aus US-Unternehmen zusammen. Zudem ist der MSCI World ein reiner Aktienindex und durch das Fehlen anderer Assetklassen unterdiversifiziert. Die Folge: Den Anspruch, weltweit breit gestreut investiert zu sein, erfüllt der MSCI World nur eingeschränkt.

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Überarbeitete und aktualisierte Version eines an dieser Stelle im Dezember 2020 erstmals erschienenen Artikels.


1 Benjamin Graham: The Intelligent Investor, 1949, S. 8: „The investor’s chief problem – and even his worst enemy – is likely to be himself.” In einem späteren Auflagen beigefügten Vorwort bezeichnet Warren Buffet das Buch als das „bei weitem besten Buch, das jemals über Investieren geschrieben wurde“.

2 So berichtet sein Geschäftspartner und Freund Gottfried Heller in einem Interview mit dem Münchner Merkur am 01.03.2016.

3 Monatsberichte der deutschen Bundesbank, 08/2016 und 08/2026

4 Alle Angaben zum MSCI World Index: Stand August 2026. Quelle: https://www.msci.com/documents/10199/178e6643-6ae6-47b9-82be-e1fc565ededb

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