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Investieren|11.02.2021

Warten auf den Crash ist keine gute Anlagestrategie

Bei der Geldanlage meldet sich oft das Bauchgefühl: Ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt zu investieren? Oder soll ich auf einen Crash warten und kaufen, wenn die Kurse am Boden sind? Perfektes Market Timing ist der Traum jedes Anlegers. Und daher ist auch jemand, der dieses Vorgehen zum Kern seiner Anlagestrategie machen will, ein Traumtänzer – extrem seltene Genies einmal ausgenommen.

Michael Batnick, Director of Research bei Ritholtz Wealth Management LLC. in New York, widmete sich in seinem lesenswerten Finanzblog „The Irrelevant Investor“ jüngst einer Frage, die sich mancher Anleger stellt: Sollte ich wirklich jetzt mit dem Sparen anfangen? Oder nicht besser, bis nach dem nächsten Crash warten und dann umso beherzter beginnen? Zu dieser, auch als Market Timing bezeichneten Strategie, hat Batnick eine klare Meinung: „Es gibt einige Wege, erfolgreich zu investieren, aber das Warten auf den Crash ist definitiv keiner“, sagt er und nennt drei Gründe.

1. Warten auf den Crash macht schlechte Laune …

Börsencrashs geschehen praktisch nie ohne Grund. Spekulationsblasen platzen, politische oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen verschlechtern sich gravierend, eine Pandemie erschüttert die Gesellschaften rund um den Globus. Will man tatsächlich sein Leben in der Hoffnung führen, dass bald der Crash kommt, um danach die Chance zum Einstieg zu nutzen? Wer so agiert, wartet letztlich auf eine Katastrophe, so Michael Batnick. Und das mache nur schlechte Laune und führe zu seelischer Erschöpfung.

2. … und wenn er da ist, kauft man nicht

Der Abschwung an den Börsen geschah ebenso rasch wie die nachfolgende Erholung. Ende Februar 2020 stand der Dax noch über 13.000 Punkten, knapp drei Wochen später bei 8.255 Punkten. Am 8. Juni kratzte der Dax wieder an der 13.000 Punkte-Marke.

Der 16. März stellte sich im Nachhinein als Tiefpunkt und als der perfekte Zeitpunkt zum Einstieg heraus, aber zu jenem Montag konnte das niemand wissen. Ist die Erholung, die danach einsetzte, die Wende oder nur ein kurzes Aufbäumen vor der nächsten Talfahrt? Es ist so gut wie unmöglich, den optimalen Einstiegszeitpunkt zu erkennen – also den Moment, an dem die Aktienkurse die Talsohle erreichen.

Hinzu kommt, dass im Frühjahr 2020 große Unsicherheit bis blanke Panik an den Kapitalmärkten herrschte. Aus sehr guten Gründen entschließt sich kaum ein Privatanleger in einer solchen Situation dazu, das gut gefüllte Girokonto zu räumen und beherzt an der Börse zuzugreifen. Im Gegenteil: Typischerweise dauert es eine geraume Zeit, bis es dazu kommt und Privatanleger wieder Vertrauen fassen. Und wenn es soweit ist, haben sich die Märkte wieder erholt und die „einmalige“ Chance ist schon wieder vorbei. Letztlich investiert man nie, schreibt Batnick, jedenfalls nie, wenn es genau passt.

3. Market Timing funktioniert nicht

Es gibt also gute Gründe, warum Market Timing nicht funktioniert. Wie wäre es, sich eine Regel zu setzen, um bessere Anlageentscheidungen zu treffen? Aber auch so funktioniert Crash-Investment nicht.

Eine einfache, scheinbar intelligente „buy-the-dip“-Regel könnte so aussehen: Anleger warten auf einen Verlust von 10 Prozent, um dann in den Markt einzusteigen. Nach mindestens zwölf Monaten oder zu dem Zeitpunkt, an dem die vorherige Talfahrt wieder ausgeglichen ist, wird wieder verkauft. Beim nächsten 10 Prozent-Crash passiert das gleiche, usw. Samuel Lee hat solche Strategien anhand von US-Daten seit 1926 erforscht und sein Ergebnis ist eindeutig: Eine langfristige Anlage schlägt die vermeintlich intelligente „Warten-auf-den-Crash“-Strategie um Längen. Der Hauptgrund dafür: Gravierende Kursrückgänge mit attraktiven Einstiegsmöglichkeiten sind selten. Seit 1965 hat Batnick für die USA nur acht solcher Situationen mit einem Kursrückgang von 20 Prozent oder mehr gezählt, also im Schnitt eine alle sieben Jahre. Beim Warten auf den Crash bleibt das Kapital immer wieder für einige, manchmal viele Jahre auf dem Girokonto geparkt, erwirtschaftet keine Erträge und profitiert nicht vom Zinseszins-Effekt.

Kontinuierlicher Kapitalaufbau als geeignete Strategie

Gerade bei der Planung des Alterseinkommens spielt eine langfristige Strategie eine bedeutende Rolle, denn schließlich sollen Einzahlungen gleichzeitig sicher und renditestark investiert sein. Ein geeigneter Weg ist die Anlage in Allvest. Dabei werden Einzahlungen in ein breit gestreutes Portfolio investiert, das neben Aktien und Anleihen auch Investments in nicht-börsennotierte alternative Anlagen wie Private Equity, Infrastruktur, erneuerbare Energien und Immobilien umfasst.

Entscheidet sich der Anleger neben einer passend gewählten Einmalzahlung zu Beginn für kontinuierliche weitere Einzahlungen, kann er zudem vom „Cost-Average-Effekt“ profitieren, da bei jeder Einzahlung Anteile an ETFs oder Investmentfonds erworben werden. Sind die Fondskurse im Moment des Ankaufs niedrig, erhält man umso mehr Anteile. Sind sie hoch, gibt es weniger. Über den gesamten Anlagezeitraum betrachtet bezahlt man rechnerisch pro Anteil einen attraktiven Durchschnittspreis. Durch ein solches Vorgehen vermeidet man das Risiko, im falschen Moment zu investieren (Timingrisiko). Das erlaubt, gerade bei einem langfristigen Anlagehorizont (15 Jahre oder länger) etwas mehr Risiko einzugehen und ein niedrigeres Garantieniveau zu wählen – und damit auch von den Renditechancen eines höheren Aktienexposures zu profitieren.