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Investieren|30.09.2021

„Das offensiv ausgerichtete Portfolio hat sich im bisherigen Jahresverlauf ausgezahlt“

Andreas de Maria Campos ist Portfoliomanager im Active Allocation Retail Team von Allianz Global Investors Multi Asset Europe. Er verantwortet verschiedene Multi Asset-Portfolios und entwickelt anlageklassenübergreifende Investmentstrategien. De Maria Campos leitet im Bereich Multi Asset bei der fundamentalen Analyse als Co-Head die Gruppe Tactical Equity Allocation. In diesem Interview spricht er über die aktive Anlagestrategie der Allvest, die derzeit bevorzugte Allokation und warum in einer aktiven Strategie auch ETFs und Anleihefonds ihren Platz haben.

Herr de Maria Campos, wie sieht die aktive Strategie eigentlich aus – was ist drin?

Wir haben aktuell ein offensiv ausgerichtetes Portfolio, was sich im bisherigen Jahresverlauf deutlich ausgezahlt hat. Neben einer erhöhten Aktienquote – aktuell bei rund 90 %– spiegelt sich das vor allem auch in der Auswahl der Regionen, Sektoren und Investmentstile wider: Ein verhältnismäßig hoher Anteil an europäischen, konjunktursensitiven und eher günstig bewerteten Unternehmen profitierte insbesondere von der Neubepreisung der wirtschaftlichen Erholung an den globalen Aktienmärkten.

Andreas de Maria Campos

Portfoliomanager Allianz Global Investors Multi Asset Europe

Beim aktiven Management ist es wichtig, das Ohr ganz dicht am Markt zu haben, um so relevante Informationen rechtzeitig zu erlangen und für das Portfolio zu nutzen.

Welcher Fonds ist das spezielle Highlight des Portfoliomanagers?

Investments, die man hier hervorheben kann, sind der Allianz European Equity Growth, ein langfristig sehr erfolgreicher Fonds für europäische Aktien. Der Allianz UK Opportunities mit seinem Fokus auf günstig bewertete Unternehmen aller Größenordnungen aus Großbritannien und der iShares Edge MSCI USA Value, der in den USA eine systematische Auswahl der günstigsten Unternehmen vornimmt, sind weitere Beispiele.

Des Weiteren nehmen auch Investitionen in nachhaltige Fonds einen zunehmend größeren Platz in unserem Portfolio ein.

Warum wurde die Aufstellung so gewählt? Und ist der Aktienanteil nicht zu hoch?

Das Portfolio ist ein Ergebnis unserer laufenden Optimierung, bei der wir den richtigen Mix aus Chancen und Risiken anstreben. Die aktuelle Aufstellung haben wir vor dem Hintergrund einer sich erholenden Weltwirtschaft, die von vielen Regierungen mit hohen Fiskalpaketen weiterhin unterstützt und von Zentralbanken mit sehr hoher Liquidität versorgt wird, gewählt. Diese Rahmenbedingungen sind für Unternehmen und ihre Gewinnsituation vorteilhaft - insbesondere für konjunktursensitive Wirtschaftszweige.

Eine hohe Aktienquote bietet in diesem Umfeld somit eine hohe Chance auf eine langfristig attraktive Rendite. Aber auch Anleiheinvestments sind und bleiben Teil unserer Anlagestrategie. Je nach unserer Markteinschätzung werden wir diese auch wieder stärker im Portfolio gewichten – beispielsweise zur Portfoliostabilisierung in schwierigen Marktphasen oder zum Ausnutzen sich bietender Opportunitäten. Darüber hinaus hat der Kunde durch das wählbare Garantieniveau der Allianz Lebensversicherungs- AG eine individuelle Absicherung.

Warum nutzen Sie eigentlich ETF – das soll doch die aktive Strategie sein?

ETFs sind sehr zahlreich und bilden ein äußerst heterogenes Universum ab – von großen marktwertbasierten Indizes wie dem DAX oder dem MSCI Welt bis zu Teilsegmenten oder -regionen. Für uns sind ETFs insbesondere dann relevant, wenn es um bestimmte Teilsegmente bzw. -regionen oder Stilrichtungen geht. Beispielsweise hatten wir in diesem Jahr zeitweise hohe Gewichtungen in einem ETF, der sehr konzentriert in günstig bewertete Unternehmen in den USA investiert. Das Investment konnte allein im ersten Quartal 2021, als die Erholung am Kapitalmarkt an Fahrt gewann, eine Performance von gut 25 % erzielen und war damit ein sehr erfolgreicher Bestandteil unseres Portfolios.

Die Allokation sieht aktuell auch ganz anders aus als vor 6 bis 12 Monaten. Entwickelt sich diese evolutionär oder gibt es größere Umschichtungen?

Wir berücksichtigen bei unserer Portfoliokonstruktion sowohl eine systematische, computergestützte Auswertung von Markttrends als auch eine fundamentale Analyse von Wirtschaftsdaten - beispielsweise Unternehmensgewinnen, Bewertungen und Geldpolitik, sowie deren erwartete Entwicklung. Naturgemäß ergibt sich daraus häufig ein eher evolutionärer Prozess in unserer Aufstellung: Schlagartige Veränderungen sind selten. Wir steuern aber bei Bedarf auch hart um – insbesondere dann, wenn unvorhergesehene Ereignisse die Zukunft und sich damit die erwarteten Aussichten für bestimmte Anlageklassen oder Geschäftsmodelle plötzlich verändern. So haben wir bspw. im letzten Jahr auch auf den Ausbruch der Corona-Krise mit einem Abbau der Aktienanlagen schnell reagiert und diese im Zuge der Marktstabilisierung auch wieder sehr deutlich aufgestockt.

Ganz gleich, ob Aktien oder Anleihen, aktives Management braucht die Nähe zu den Märkten und ein gutes Gespür dafür, wohin die Reise geht. Da dürfte die Nähe der Allvest zur AllianzGI, der Investmenteinheit der Allianz, ein Vorteil sein, oder?

Durch die internationale Verzahnung der Kapital- und Finanzmärkte ist die Kapitalanlage in den vergangenen Jahren komplexer geworden. Als globaler Asset Manager hat Allianz Global Investors mit seinen Ressourcen ein solides Fundament, den Herausforderungen gerecht zu werden. Beim aktiven Management ist es wichtig, das Ohr ganz dicht am Markt zu haben, um so relevante Informationen rechtzeitig zu erlangen und für das Portfolio zu nutzen. Ein Beispiel: Jährlich führen unsere Portfoliomanager Gespräche mit hunderten von Unternehmen vor Ort und erhalten so Informationen aus erster Hand. Diese Informationen werden im internationalen Netzwerk der AllianzGI intensiv und durchaus auch kontrovers diskutiert. Hinzu kommt die Expertise der verschiedenen Anlagespezialisten. Allein im Multi Asset Bereich arbeiten ca. 80 Experten, die sich austauschen und zusammen immer wieder neue Ideen generieren. Zusätzlicher Input kommt von den Investment- und Research-Experten der anderen Anlageklassen sowie einem übergreifenden ESG-Research.

Wie lautet Ihr Ausblick auf die kommenden Monate, insbesondere auch vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Umfelds? 

Die Konjunktur läuft auf Hochtouren und die vergangene Gewinnsaison der Unternehmen war extrem stark. Sie lag sogar über den hohen Erwartungen. Das Ganze wurde unterstützt von weiterhin sehr expansiver Geldpolitik der Zentralbanken und Fiskalpaketen der Regierungen - insbesondere in den USA und Europa: Eine nahezu perfekte Kombination für Aktienmärkte.

In den nächsten Monaten werden wir nun moderatere Wachstumsraten sehen – sowohl in der Wirtschaft als auch bei den Gewinnen – die aber dennoch tendenziell unterstützend wirken sollten. Eine große Frage bleibt die Entwicklung der Inflation, die insbesondere in den USA in den letzten Monaten auf Höchststände geklettert ist: Handelt es sich hierbei hauptsächlich um Verzögerungen beim Wiederhochfahren der Weltwirtschaft oder werden hier strukturelle Veränderungen wie z. B. eine Lohn-Preis-Spirale sichtbar? Auch die Sorge vor weiteren Lockdowns im Herbst und Winter kann noch nicht vollständig ausgeräumt werden. Die höhere Ansteckungsrate der Delta-Variante in Kombination mit hoher Impfskepsis in einigen Ländern wie z. B. den USA oder sehr stringenten Eindämmungskonzepten wie in Asien und Australien könnte noch einmal zu wirtschaftlichen Beeinträchtigungen führen.

Wir bleiben in Anbetracht dieser komplizierten Gesamtsituation aktiv und versuchen Chancen zu ergreifen und Risiken zu mindern. Dabei denken wir auch immer langfristig und werden weiterhin in viele Zukunftsthemen investieren und hierbei auch unsere Investments in nachhaltige Fonds erhöhen, die einen Beitrag zu einer besseren Zukunft leisten wollen.

Sie wollen auch den Manager der passiven Anlagestrategie der Allvest kennenlernen? Hier finden Sie ein Interview mit Dr. Andreas Ott (Allianz Investment Management).  

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Allgemeine Hinweise

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