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Investieren|14.07.2022

„Unser Investmentprozess ist sehr strukturiert und regelbasiert“

Ein Interview mit Dr. Andreas Ott, Head of Investment Strategy bei Allianz Investment Management SE, über seine Aufgaben und aktuelle Anpassungen bei der passiven Anlagestrategie der Allvest.

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Herr Ott, Sie sind 'Head of Investment Strategy bei Allianz Investment Management'. Was ist das für eine Position und was sind Ihre Aufgaben?

Mein Team entwickelt mit mir die langfristige Anlagestrategie für die Versicherungsportfolien, also konkret die Anlage der Beiträge der Allianz Lebens- und Krankenversicherungskunden in Deutschland. Neben der langfristigen Strategie kümmern wir uns auch um die Umsetzung, tagein, tagaus gemeinsam mit unseren internen und externen Asset-Managern. Das geht also von der Strategieentwicklung bis zur täglichen Anlage der Gelder für unsere Kundinnen und Kunden.

Hätten Sie ein Beispiel für eine wichtige strategische Entscheidung, die sie in den letzten Jahren getroffen haben?

Ich glaube, das ist vor allem die Entscheidung, wirklich fokussiert in alternative Anlagen zu investieren. In den letzten fünf Jahren haben wir insgesamt mehr als 60 Milliarden Euro in den Bestand an alternative Anlagen, Infrastruktur-Immobilien, aber auch erneuerbare Energien investiert. Gerade im Frühjahr haben wir ein Investment in den weltweit größten Offshore-Windpark abgeschlossen, der vor der Küste Hollands entsteht. Über 140 Turbinen, jede einzelne über 200 Meter hoch. Größer als unser Stuttgarter Fernsehturm, und wird am Ende 2 Millionen Haushalte mit Strom versorgen können.

In Ihrer Funktion arbeiten Sie mit der Allvest in zweierlei Hinsicht zusammen.

Ja genau, und zwar zum einen für den Sicherungsbaustein von Allvest, also das Sicherungsvermögen der Allianz Leben. Dieser Teil der Kapitalanlage, in dem wir auch die alternativen Investments tätigen, bietet neben Sicherheit auch eine attraktive Rendite, die weit über der Rendite von sicheren Anlagen wie Bundesanleihen liegt. Zum anderen für den Renditebaustein. Ich bin verantwortlich für das Management der passiven Anlagestrategie, für die wir neben der Anlageallokation auch entscheiden, in welche ETFs und welche Indexfonds investiert wird und zu welchen Zeitpunkten wir Änderungen an der Allokation vornehmen.

Dr. Andreas Ott

Head of Investment Strategy bei Allianz Investment Management SE

"Wir haben vor allen Dingen unsere Investments in US- und auch Schwellenländer-Aktien erhöht und bei den Schwellenländern die Diversifikation weiter gestärkt."

Und an dieser passiven Anlagestrategie haben Sie zum 1. Juli einige Änderungen vorgenommen. Das interessiert uns und die Kundinnen und Kunden der Allvest besonders. Was haben Sie verändert?

Zum einen haben wir die Anlageallokation, also die Gewichte der einzelnen Fonds, geändert. Und zum anderen haben wir auch einen neuen Indexfonds in die Anlagestrategie aufgenommen.

Können Sie uns das ein bisschen konkreter sagen? Was wurde stärker gewichtet, was wurde verkauft?

Wir haben vor allen Dingen unsere Investments in US-Aktien und auch Schwellenländer-Aktien erhöht, zulasten vor allem europäischer Aktien und Japan. Einfach deshalb, da wir in erstgenannten höheres Ertragspotential sehen. Zum anderen haben wir im Bereich der Schwellenländer die Diversifikation weiter gestärkt, indem wir neben Staatsanleihen nun auch in Unternehmensanleihen von Schwellenländern investieren.

Dabei sind ETFs auf Schwellenländeranleihen eine neue Anlageklasse, die Sie für die passive Strategie erschlossen haben, richtig?

Genau. Unternehmensanleihen aus Schwellenländern sind ein zunehmend entwickelter Markt, in den wir mit einem ETF investieren können, und der zusätzliche Rendite, aber auch zusätzliche Diversifikationspotential bietet.

Sie haben zwei Stichworte genannt für Gründe, warum Sie die passive Strategie verändert haben, Diversifikation und Rendite. Gibt es noch andere Gründe für diese Änderungen?

Zunächst muss man wissen, dass der Investmentprozess sehr strukturiert und regelbasiert ist. Wir nutzen dafür unser mathematisches Optimierungsmodell, den Optimizer, den wir selbst entwickelt haben. Dieser gibt uns auf Basis von über 10.000 Kapitalmarktszenarien eine Kapitalanlageempfehlung, die wir dann zusätzlich anreichern mit unseren Kapitalmarkteinschätzungen aus makroökonomischen und kapitalmarkttheoretischen Überlegungen. Wir betreiben kein automatisches Rebalancing, das in vielen anderen Ansätzen Verwendung findet. Das verwenden wir explizit nicht, weil es immer wieder zu Transaktionskosten führt, wir aber gerade ein besonders effizientes, kostengünstiges Produkt anbieten wollen. Wir überprüfen die Allokation regelmäßig mithilfe des Optimizers und mit unserer Experteneinschätzung. Wenn wir feststellen, dass die Allokation im Portfolio noch grundsätzlich zur strategischen Ausrichtung passt, dann nehmen wir auch keine Veränderungen vor.

Ist es ein strategisches Ziel, Kosten zu vermeiden, die letztlich die Rendite für die Kunden reduzieren?

Ja, genau, gemäß der alten Börsenweisheit 'hin und her macht Taschen leer'. So kann man sich das vorstellen.

Die passive Strategie investiert in praktisch alle Regionen dieser Welt, also in ETFs auf die USA, auf Europa mit Großbritannien, ohne Großbritannien. Sie sind in Asien-ETFs und anderen Regionen. Wäre es da nicht einfacher für Sie und effizienter für die Kunden, wenn man in die passive Strategie einfach nur einen einzigen ETF reinsteckt, nämlich den MSCI World zum Beispiel?

Einfacher wäre es sicher. Aber aus unserer Sicht führt ein aktiverer Ansatz zu einem besseren Portfolio. Mit einer Ausrichtung allein auf den MSCI World wäre unsere passive Strategie automatisch in Regionen übergewichtet, deren Märkte relativ teurer werden. Gerade das wollen wir vermeiden, indem wir Regionen über einzelne Investmentstrategien und einzelne ETFs einzeln abbilden, und die Gewichtung auf Basis der mathematischen Modellierung und unserer Kapitalmarkteinschätzungen regelmäßig überprüfen und neu zusammensetzen.

Wenn ich mich recht entsinne, war ja der Anteil des US-Marktes am MSCI World im vergangenen Jahr teilweise bis fast 70 % angestiegen. Das war auch so etwas wie eine Wette auf den S&P 500, oder?

Richtig. Der MSCI World ist einfach extrem US-lastig. Das kann gut oder schlecht sein, in jedem Fall ist er deutlich schlechter diversifiziert als unsere Anlagestrategie.

Werfen wir abschließend einen Blick auf das Jahr 2022, das aus den bekannten und auch traurigen Gründen auch auf den Kapitalmärkten ein sehr hektisches und unruhiges Jahr gewesen ist und, wie die Auguren sagen, wahrscheinlich auch zunächst einmal bleiben wird. Das erste Halbjahr ist gerade vorbei. Wie ist die passive Anlagestrategie unterwegs?

Auch für uns war es, wenig überraschend, ein schwieriges Jahr angesichts des hohen Aktienanteils. Zum 30.06. stehen wir mit ungefähr -12 %-Performance seit Jahresanfang in den Büchern. Man muss aber sagen, das ist besser als die europäischen Indizes und auch ein klein wenig besser als der S&P 500. Wir haben durchaus mit unserem gemanagten Portfolio die üblichen Märkte geschlagen. Was wirklich besonders interessant ist: Es geht ja nicht nur um Rendite, sondern immer auch um Risiko. Die passive Anlagestrategie hat eine wesentlich geringere Schwankungsbreite, eine wesentlich geringere Volatilität als z. B. der MSCI World.

Mehr zur Performance der aktiven bzw. passiven Anlagestrategie der Allvest im Jahr 2021 erfahren Sie hier.

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Allgemeine Hinweise

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